Reportage

Daniels "mobile Suppenküche“

Von Stephan Kruse • 5. Januar 2026
Daniel Lewitz, 47, mobil in Kiel: Trotz der langen Anreise ist die gekochte Mahlzeit noch heiß.

Seine eigene „Life-Challenge“ hat Daniel Lewitz (47), auch mit Hilfe des gleichnamigen Programms der Ostseeklinik Fehmarn, längst gewonnen. Das war vor über 10 Jahren. Seitdem lebt er auf Fehmarn und will die wiedergewonnene Stärke für die Schwächsten in unserer Gesellschaft einsetzen. Und genau das macht er auch.

Daniel bei der Ankunft in Kiel. Sein Auto ist bis unters Dach voll mit Lebensmitteln, Kleidung und Schlafsäcken.

Seit Februar 2025 fährt Daniel jeden 2. Sonntag (die ersten 6 Monate sogar jeden Sonntag) in die Landeshauptstadt Kiel, um dort zu helfen, wo es wirklich um Leib und Leben geht.

Heute begleite ich ihn dorthin. Ich möchte ihm dabei helfen, eine Spendenseite für sein Projekt zu kreieren und brauche dafür Bildmaterial.

Die heutige Fahrt ist gefährlich und glatt, bei teilweise minus 4 Grad. Doch die schlechten Witterungsbedingungen halten Daniel nicht ab. Sein Auto ist bis unter das Dach vollgepackt mit Lebensmitteln, Schlafsäcken und ca. 40 Portionen „Chili con Carne“. Das Essen hat der gelernte Koch zuvor selbst zubereitet und als er in Kiel die ersten Mahlzeiten verteilt, ist das Essen zu meiner Überraschung auch noch richtig heiß.

Zwei weitere Unterstützer von Daniel kommen mit uns in Kiel an. Sie haben ihm heute eine ganze Wagenladung hochwertige Winterkleidung gebracht. Übersichtlich sortiert und beschriftet. Eine große Hilfe für Daniel bei der Verteilung.

Es ist 13:30 Uhr. Sein Stellplatz direkt vor dem Kieler Hauptbahnhof füllt sich. Schnell bildet sich eine Menschenmenge mit ca. 30 bis 40 Bedürftigen.

Daniel baut hektisch seine "mobile Suppenküche" auf und verteilt noch andere Lebensmittel. Das sind Spenden, die seine "Helfer-Netzwerke / besonders die Lebensmittel-Retter Fehmarn" für diesen Tag organisiert haben. Gleichzeitig nimmt er jeden als Menschen wahr und hat immer ein nettes Wort und ein Lächeln für sein Gegenüber übrig.

Ulf* erzählt mir wie gut ihm das Essen schmecke und dass es seine erste warme Mahlzeit in diesem Jahr sei. Ich bekomme einen Kloß im Hals.

Tom* berichtet, dass er bei diesen Temperaturen in einem Gewächshaus schlafen darf und er sich besonders über den neuen, sehr warmen Schlafsack freue. Für ihn sei heute Weihnachten. Ich bemerke die tiefe Dankbarkeit der Menschen.

Für Ulf* war es die erste warme Mahlzeit im neuen Jahr.

Daniel lebt die Menschlichkeit vor und gibt den schwächsten Menschen in unserer Gesellschaft eine Sichtbarkeit. Die meisten der Bedürftigen wissen, dass Daniel vor über 10 Jahren einmal einer von Ihnen war. Auch er hat in der Landeshauptstadt einst obdachlos und drogenabhängig um sein nacktes Überleben gekämpft.

Jetzt hat er es längst geschafft, ist über 10 Jahre “clean“ und steht mitten im Leben. Aber er hat diese Erfahrungen niemals vergessen.

Daniel versorgt Jens* noch mit einer warmen Winterjacke.

“Woher nimmst Du die Kraft?“ - möchte ich von Daniel wissen. Dieser erzählt mir von der Bedeutung Jesu Christi in seinem Leben und wie wichtig der Glaube für ihn sei.

Zweieinhalb Stunden sind vergangen. Ich helfe Daniel beim Einräumen der Tische und leeren Kisten. Dieser versorgt gerade noch Jens* mit einer passenden, neuen Winterjacke. Schließlich zieht er ihm sogar noch seine privaten Handschuhe an, da Jens keine besitzt.

Der muss auch die nächste Nacht wieder schauen, wo er draußen schlafen kann. Und das, obwohl bis minus 6 Grad erwartet werden.

Wir fahren zurück nach Fehmarn. Daniel ist mental und auch körperlich an seiner Grenze. Dennoch erzählt er mir von einer sehr guten Nachricht. Eines der drogenabhängigen, noch jungen Paare beginnt zur neuen Woche die Entgiftung in der Ameos-Klinik Heilgenhafen. Dort gibt es diese Möglichkeit für die beiden zusammen. Daniel kennt das Paar schon länger und ist sehr froh über diese Entwicklung.

Auch ich bin erschöpft und merke, dass so ein Besuch mitten im “Brennpunkt“ schon etwas macht mit mir. Es ist ja sonst doch alles immer sehr weit weg.

Ich bin sehr beeindruckt.In Zeiten in denen die Gesellschaft scheinbar zu verrohen droht, ist Daniels “mobile Suppenküche“ ein Lichtblick und ein klares Signal für Menschlichkeit und Nächstenliebe.

Meine Hochachtung und Unterstützung hat er sich an diesem ersten, sehr kalten Sonntag des neuen Jahres gesichert.

Wieder auf der Insel angekommen setzt Daniel mich Zuhause ab. Mir wird nochmal intensiv klar, wie schön und kostbar es ist, ein solches Zuhause zu haben.

Er selbst fährt noch zu einem griechischen Restaurant. Die Betreiber gehen in die Winterpause und haben auch noch einiges an Spenden, die sie Daniel zukommen lassen.

Danach kann auch er entspannen, bis die nächste “mobile Suppenküche“ vorbereitet werden will und er wieder ein Stück Wärme in die kalte Zeit bringen wird.